Die Technik der Strohflechterei ist bereits
seit urdenklichen Zeiten bekannt. Schon in der altgriechischen Kultur
war der Frauenstrohhut "Tholia" eine beliebte Kopfbedeckung
vornehmer Griechinnen.
Im 10. Jahrhundert war der Strohhut für den mächtigen
Volksstamm der Sachsen ein be-deutungsvolles und ehrbares Zeichen.
Und die Strohhüte wurden keineswegs nur als Sonnenschutz geliebt,
sondern als Schmuck bzw. Rangzeichen gleichermassen.
Seit der Römerzeit ist der Aargau als reiches Kornland bekannt.
Seine Bewohner nutzten das Stroh für Überdachungen, aber
bereits früh auch für die Herstellung von Strohhüten.
Eine Zürcher Urkunde von 1593 berichtet von fremden, nicht
genehmen Huthändlern. Darum ersuchte der Landvogt der freien
Ämter den Rat von Zürich, den aargauischen Hutver-käufern,
den Verkauf ihrer Hüte in der Stadt zu gewähren.
Bei diesen Hüten handelte es sich vor allem um Röhrlihüte,
verbreitet waren aber auch kunstvollere Hüte und viele Garnituren.
Weitere Entwicklung des Strohhutes
Aus modischen Gründen ging die Herstellung von Handgeflechten
nach der Jahrhundert-wende zurück.In einem Sonderabschnitt
erlebte die Strohindustrie zwischen 1925 - 1929 noch einmal einen
Höhepunkt. Im Auftrag der aargauischen Firmen wurden Röhrlistrohhüte
nach USA, Kanada und Südamerika exportiert (ca. 1 Million Stück
pro Jahr!). 1952 erreichte der Export mit 33 Millionen Franken einen
weiteren Höhepunkt, der aber bereits 1958 um einen Drittel
zurückging. Nur dem vehementen Export war es zu verdanken,
dass die Kurve 1966 noch-mals auf 34 Millionen Franken stieg. Aber
plötzlich wurde die heimische Strohhutproduktion von japanischen
Hutgeflechtindustrien mit tiefen Preisen konkurrenziert. Seit ca.
1968 fällt die Ausfuhr stetig und scheinbar unaufhaltbar. Von
1970 bestehen noch 5 grosse und einige kleinere Betriebe von einst
über 70 Strohindustrien.
Verarbeitung
Im Aargau verwendete man vor allem Roggenstroh, da der Roggen in
unserer Gegend gut gedieh. Das Stroh wurde im Juni geschnitten und
zwar in der Milchreife, d.h. solange das Korn und damit auch das
Stroh noch weich waren. Man achtete auf ein rasches Wachstum, damit
die Helle der Farbe und die Halmendicke möglichst gleich waren.
Darum säte man dicht und bevorzugte magere und windgeschützte
Orte. Die geschnittenen Halme wurden zur Bleichung flachgelegt,
und man hängte sie in Büscheln unter die Scheunendächer.
Im Winter besorgte man das Halmenrüsten. Mit so genannten Strohbüschelschneidern
schnitt man die Knoten und Halmenspitzen weg. Später wurden
die Halme nach verschiedenen Dicken sortiert.
Bei den ältesten Strohgeflechten verarbeitete man noch die
ganzen Halme. Später teilte man die Halme mit Halmenspaltern.
Das Stroh wurde auf verschiedenste Arten verarbeitet: geflochten,
gezwirnt, gewoben, ge-häkelt, geknüpft, gehütelt,
usw.